Was tun, wenn der Igel Hilfe braucht?
Muss ich etwas tun, wenn ein Igel tagsüber durch den Garten läuft? Wann braucht er Hilfe und wie kann jeder Gartenbesitzer dazu beitragen, die stacheligen Tiere zu schützen?
Antworten auf diese und viele weitere Fragen gab es bei unserem Informationsabend am 21.10.2026.
Als Referentin durften wir Sabine Wisura begrüßen. Die Tierärztin aus der Tierarztpraxis Haudek-Rice in Uhingen engagiert sich in der Igelhilfe Filstal und brachte nicht nur fundiertes Fachwissen, sondern auch viele praktische Erfahrungen mit.
Gesund oder krank?
Frau Wisura erklärte anschaulich, woran gesunde und kranke Igel zu erkennen sind.
Ein gesunder Igel ist in der Regel dämmerungs- und nachtaktiv, bewegt sich zügig und zielgerichtet durch sein Revier, macht einen kräftigen Eindruck und faucht einen vermeintlichen Angreifer durchaus auch einmal an.
Kranke oder geschwächte Tiere fallen dagegen häufig durch auffälliges Verhalten auf: Sie wirken orientierungslos, laufen unsicher umher oder bleiben bei Annäherung regungslos sitzen. Auch ein stark eingefallener Körperbau, sichtbare Verletzungen sowie ein Befall mit Fliegen oder Maden sind deutliche Warnzeichen.
Dabei ist nicht jeder tagsüber gesichtete Igel automatisch ein Notfall. Entscheidend ist immer der Gesamteindruck des Tieres. Bei auffälligem Verhalten oder erkennbaren gesundheitlichen Problemen sollte fachkundige Hilfe hinzugezogen werden und der Igel bis dahin beispielsweise in einem Karton, einem umgedrehten Fahrradhelm oder notfalls auch unter einem Pullover gesichert werden.
Jungigel
Auch bei Jungigeln ist nicht jeder Fund gleich ein Notfall. Frau Wisura erklärte, dass junge Igel ab einem gewissen Alter ihr Nest verlassen und ihre Umgebung erkunden. Dabei können sie durchaus auch allein unterwegs sein, ohne dass die Mutter in unmittelbarer Nähe zu sehen ist. Ein einzelner Jungigel bedeutet daher nicht automatisch, dass er verlassen wurde. Entscheidend sind vielmehr sein Allgemeinzustand und sein Verhalten. Hat das Jungtier bereits geöffnete Augen, ein vollständiges Stachelkleid und bewegt sich flink und sicher, ist sein Erkundungsverhalten zunächst ganz normal.
Bei sehr kleinen Tieren gilt dagegen besondere Vorsicht: Wiegt ein Jungigel weniger als etwa 200 Gramm, gehört er eigentlich noch ins Nest.
Es gilt: Bitte immer erst aufmerksam beobachten, anstatt vorschnell ein Tier mitnehmen!
Igel sind keine Waldtiere!
Ihr natürlicher Lebensraum sind strukturreiche Kulturlandschaften mit Hecken, Wiesen, Gärten und Feldrändern. Grenzt ihr Revier an einen Wald, halten sie sich zwar gelegentlich in dessen Randbereichen auf, im Wald selbst sind sie jedoch normalerweise nicht zu Hause.
Deshalb sollte ein gefundener Igel niemals gut gemeint im Wald ausgesetzt werden. Darüber hinaus sind Igel sehr ortstreu und kennen ihr Revier genau. Gesunde Tiere dürfen daher nicht einfach eingefangen und an einem anderen Ort wieder ausgesetzt werden, weil sie beispielsweise von Mensch, Hund oder Katze als störend empfunden werden. Als besonders geschützte Tierart stehen Igel unter dem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes und gehören grundsätzlich in ihr angestammtes Revier. Nur kranke, verletzte oder hilflose Tiere dürfen vorübergehend aufgenommen werden, um sie nach ihrer Genesung wieder in die Freiheit zu entlassen.
Veränderte Lebensräume
Ein besonderes Thema waren die Herausforderungen, mit denen Igel heute zu kämpfen haben. Der Rückgang von Insekten, veränderte Lebensräume und verschiedene Gefahrenquellen machen es den Tieren zunehmend schwer. Umso wichtiger sind naturnahe Gärten, in denen sie Nahrung, Schutz und Rückzugsmöglichkeiten finden.
Mit vielen Beispielen zeigte Frau Wisura, wie jeder Garten mit oft einfachen Mitteln igelfreundlicher gestaltet werden kann. Laub- und Reisighaufen, heimische Pflanzen oder bewusst etwas „unordentliche“ Gartenecken bieten wertvolle Lebensräume. Gleichzeitig wurde auch auf Risiken hingewiesen, die vielen Gartenbesitzern gar nicht bewusst sind. Insbesondere Mähroboter, die nachts fahren, können für Igel eine große Gefahr darstellen.
Ist das Füttern von Igeln notwendig?
Während früher Käfer, Insekten und andere Kleintiere in ausreichender Menge zur Verfügung standen, finden Igel heute vielerorts deutlich weniger natürliche Nahrung. Als Folge weichen sie verstärkt auf Regenwürmer, Schnecken und andere Ersatznahrung aus. Diese können jedoch Parasiten übertragen und die Tiere schwer krank machen.
Wer Igel unterstützen möchte, kann ihnen proteinreiches Futter wie getrocknete Heimchen, Maden oder andere Insekten anbieten. Geeignet sind außerdem beispielsweise fleischhaltiges Katzenfutter und „schlotziges“ Rührei. Milch gehört dagegen nicht in den Futternapf, da Igel sie nicht vertragen!
In diesem Zusammenhang kam die Frage auf, wie Igel gefüttert werden können, ohne gleichzeitig unerwünschte Gäste wie Ratten oder Waschbären anzulocken. Frau Wisura zeigte verschiedene Futterhäuser, die den Zugang gezielt für Igel ermöglichen. Mit speziellen Klappen oder Eingängen lässt sich das Risiko deutlich reduzieren, dass sich auch andere Tiere am bereitgestellten Futter bedienen.
Der Abend hat einmal mehr gezeigt: Naturschutz beginnt direkt vor unserer Haustür. Schon kleine Veränderungen im eigenen Garten können viel bewirken und helfen nicht nur dem Igel, sondern auch vielen anderen heimischen Tieren.
Wir bedanken uns herzlich bei Sabine Wisura für den interessanten und kurzweiligen Vortrag sowie bei allen Besucherinnen und Besuchern für ihr großes Interesse und die vielen Fragen.
Igelhilfe Filstal
📱 01590 6720003
❗Bitte möglichst eine Nachricht (WhatsApp) schreiben, da die ehrenamtlichen Helfer Anrufe oft nicht direkt annehmen können. Verletzte Tiere sollten, wenn möglich, zunächst einem Tierarzt vorgestellt werden.
