Wenn Menschen an ihre Grenzen gehen…

Wenn Menschen an ihre Grenzen gehen…

…kann das ganz schön anstrengend sein, aber auch sehr informativ und gesellig. Von allem etwas genossen haben rund 30 Roßwälder Bürgerinnen und Bürger, als sie am Samstag, den 14. Oktober, tatsächlich an ihre Grenzen gingen – an die Grenzen ihres wunderbaren Wohnorts.

Bei stahlblauem, wolkenlosen Himmel und herrlichem Sonnenschein, also bei so richtig kitschigem Postkartenwetter und Temperaturen wie im Hochsommer führte uns Heiner Stohrer von der OGV-Blütenhütte dieses Mal über die südliche Gemarkungsgrenze von Roßwälden. Waren auf den Äckern am Übergnang nach Hochdorf und in den Landkreis Esslingen zuerst noch keine Grenzsteine zu sehen, sprossen diese später in bewaldeter Umgebung förmlich aus dem Boden. Oft von Moos überwachsen oder im Gestrüpp versteckt, zeigten sie uns dann doch die Grenzen auf – die nach Hochdorf, später, nach so manchem Pirschweg und Zick-Zack-Lauf auch die nach Wellingen und nach Schlierbach.

Und an vielen Stellen gab es auch ganz viel zu erzählen. Einiges Grundsätzliches, z.B. dass die Roßwälder Gemarkung knapp 600 Hektar umfasst, aber auch viel Spezielles. Beispielsweise, dass es viele Roßwälder Landwirte gab und noch einige gibt, die auch außerhalb der Gemarkung Flächen bewirtschaften und deshalb „Auswärter“ genannt werden. Dass der ehemalige Bauunternehmer Kaller einst an der Markungsgrenze zu Hochdorf ein Biotop eingerichtet hatte und dieses ein beliebtes Ziel von Kindergarten- und Grundschulausflügen sowie von Waldweihnachten war. Interessant auch zu wissen, dass die Roßwälder Zementöfen hinter dem Haldenweg mit Material aus dem Steinbruch in der Senke nach Wellingen erstellt wurden und dass Roßwäldern bei Heirat ein etwa 3 Ar großes Stückle zur Bewirtschaftung übertragen wurde – freilich nicht immer unbedingt in Dorfnähe.

Für viele neu waren auch die Tatsachen, dass durch den Zwickerhof die Gemarkungsgrenze von Schlierbach führt und dessen Betreiber ihre Gebühren und Steuern deshalb an die Nachbargemeinde abführen müssen. Eigentlich sehr schade. Sehr schade auch, dass heute unsere „Stadtpolizisten“ Anlieger „nerven“, die über das Wegle am Tennisplatz ein paar Meter Strecke nach Hause sparen wollen. Schließlich war diese schmale Straße bis Anfang der 60iger Jahre die Hauptverbindung nach Schlierbach und sogar mit regelmäßigem Busverkehr uber den Hungerberg ausgestattet.

Nach dieser Flut von neuen Eindrücken war es selbstverständlich, dass es auch nach dem Ende des ausgedehnten Spaziergangs noch viel zu bereden gab. Der ideale Ort dafür war die Scheune von Else und Hermann Däuble, in der wir bei leckeren Getränken und rustikalem Vesper noch lange sitzen und schwätzen durften. Euch beiden dafür ein herzliches Dankeschön. Ein solches natürlich auch an unseren Heiner Stohrer, der uns mit Wissen und Witz einen tollen Nachmittag schenkte. Dabei wurde er unterstützt von zahlreichen Roßwälder Granden, die uns ebenfalls viel zur Geschichte unseres wunderbaren Dorfes zu erzählen wussten.