Vogelkundlicher Rundgang – ein Rückblick

Pünktlich um 6.30 Uhr trafen sich am letzten Sonntag 17 Frühaufsteher (darunter überwiegend Frauen!) am Mahdsteigle, um mit dem Vogelkundler Johannes Mayer die Welt der gefiederten Artgenossen rund um Rosswälden zu erkunden. Leider kam als 18. Gast aber auch um 6.30 Uhr ebenso pünktlich der große Regen. Zwar machten sich die Unentwegten trotzdem auf den Weg, ähnlich viele unterschiedliche Vogelstimmen wie in den letzten Jahren waren aber nicht herauszuhören. Das deshalb, weil Vögeln bei so tristem Wetter die Lust auf`s Zwitschern schnell vergeht und durch das Geplatsche der Regentropfen auf Regenjacken, Schirme und Blattwerk sehr viele Nebengeräusche die Hörorgane ablenkten.

 

Dafür gab Johannes sehr viel anderes Wissenswerte aus der Vogelwelt zum Besten:

 

  • Ein gelber Schnabel heißt noch lange nicht, dass es sich immer um ein Amselmännchen handelt. Auch bei der holden Amselweiblichkeit kann sich der Schnabel im hohen Alter (ca. 5 Jahre) gelblich verfärben.
  • Die Mönchsgrasmücke lebt vor allem im Unterholz und im Gebüsch. Interessant, dass sich vor rd. 40 Jahren einige davon auf dem Weg ins Winterquartier verflogen hatten und statt im warmen Süden in England landeten. Dort werden sie seitdem angefüttert, die Schnabelform der „Engländer“ mutiert schon kräftig Richtung Körnerpicker.
  • Apropos anfüttern: Die Winterfütterung bei uns macht aus pädagogischer Sicht gewiss einen Sinn. Grundsätzlich überleben aber auch ohne unsere Unterstützung genügend Vögel, um die Natur und ihre jeweilige Art im Gleichgewicht zu halten.
  • Einfach mal was anderes probiert haben vor rd. 10 Jahren ein paar Ringeltauben. Statt weiterhin im Wald zu leben, riskierten sie den Umzug in bewohnte Gebiete. Sie haben diesen Schritt wohl nicht bereut, denn diese Vogelart verstädtert immer mehr.
  • Zugvögel legen ein Mal pro Jahr im Schnitt vier Eier, ganzjährig bei uns bleibende Zeitgenossen wie z.B. die Blaumeise brüten drei bis vier Mal jährlich jede Menge Eier aus. Wichtig: Nicht jedes gelegte Ei ist auch befruchtet.
  • 80 Prozent aller Vogelkadaver sind innerhalb von zwei Tagen restlos verschwunden (also von der Tierwelt mit Haut und Feder aufgefressen). Gänsegeier, die sich von den französischen Sevennen aus langsam auch bei uns ausbreiten, vernichten Aas übrigens nur dann, wenn es tatsächlich eine Tierform hat. Mit einem kleinen Stückchen geschnittenem Fleisch dagegen lassen sie sich nicht locken.
  • Wenn immer die gleiche Vogelart an der selben Stelle ihr Nest baut, heißt das nicht, dass es sich dabei immer um das selbe Pärchen handelt. Das liegt nur daran, dass jede Vogelart ihre optimalen Rahmenbedingungen für den Nestbau sucht, findet und nutzt.
  • Ob Elstern und andere Vogelarten in letzter Zeit überhand nehmen, ist schwer zu sagen. Dazu ist es wichtig zu wissen, wie groß die Zahl einzelner Arten vor der Jagdfreigabe war.
  • Wer im Mai kein Rotkehlchen singen hört, hat nichts an den Ohren. Die brüten jetzt schon und singen deshalb nur bis in den März hinein.
  • Ein ganz besonderes Nest sucht sich der Waldbaumläufer: Er brütet seine Eier unter abgeplatzten Baumrinden aus.
  • Mauersegler sind nur zum Brüten auf den Füßen. Ansonsten sind sie Tag und Nacht in der Luft unterwegs und schlafen sogar in der selbigen.
  • Wenn plötzlich der ganze Wald oder die Streuobstwiese in einem einheitlichen Gezwitscher erschallt, dann hat er wieder funktioniert: Der artenübergreifende Warnruf, der einen Feind aus der Luft oder eine Katze auf Nahrungssuche ankündigt.

 

Kein gutes Wetter heißt also nicht zwingend auch keine gute Bildung. Wir jedenfalls gingen hoch gebildet und sehr zufrieden nach Hause. Dafür Johannes Mayer ganz herzlichen Dank!

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Nistkastenreinigung mit der Juge... @ OGV-Blütenhütte
Feb 26 um 09:30 – 12:00
Wir machen unsere Nistkästen „Fit für den Frühling“!   Hallo Mädels, hallo Jungs, nicht nur Insekten genießen das bequeme Leben im Hotel, auch Vögel sind froh, wenn sie in den nächsten Wochen und Monaten eine[...]