Andere Orte – andere Vögel: Platzwechsel hat sich gelohnt

Voll aufgegangen ist die Idee, den vogelkundlichen Rundgang mit unserem Fachmann Johannes Mayer mal von einem anderen Treffpunkt aus zu starten. Denn schnell war bewiesen: Auf den Feldern und Äckern am Wasenweg trifft man viele Vogelarten, die nicht unbedingt auch auf Streuobstwiesen oder im dichten Wald zu Hause sind.

Begrüßt wurden die Frühaufsteher bei idealem Kundschafterwetter von einem rüttelnden Turmfalkenpärchen, das als Gebäudegänger in Scheunen und Höfen seine Heimat findet und auch schon mal verlassene Krähennester besetzt. Unsere beiden hausen wahrscheinlich im Oberstübchen der Hütte des Fischereivereins. Überhaupt nutzen Greifvögel mehrere Horste, meistens im jährlichen Rhythmus und mit dem Ziel, Parasitenbildung zu vermeiden.

Mit der Antwort auf folgende Frage können Sie sich auch beim fachkundigen Publikum Respekt verschaffen: Was unterscheidet ein Elsternnest von Krähennestern? – Logisch: Elstern bauen ein Dach über ihren Kopf.

Artenvielfalt nimmt ab

Wo früher Feldlerchen „en masse“ ihre Konzerte ablieferten, war dieses Mal nur eine einzige dieser Spezies zu hören und zu sehen. Die abnehmende Strukturvielfalt in der Landwirtschaft und der enge Drillabstand bieten weniger Nahrung auf den Feldern als früher. Auch die vielen Gehölze vertreiben bestimmte Arten aus der offenen Landschaft. Wo früher Kiebitze, Grauammern und Wachtelkönige das Sagen hatten, lebt heute oft die Amsel ganz alleine.

Kaum bekannt war den Teilnehmern die Schafstelze, die bei uns nicht sesshaft ist und mit dem für alle Stelzen charakteristischen Wippen leider nur über unsere Gegend hinweg zieht. Deren Artgenossin, die Feldlerche, lässt sich übrigens nach ihren Gesangseinlagen aus bis zu 200 Metern Höhe schlagartig fallen und schwingt erst kurz über dem Boden routiniert wieder ab.

Das typische Geräusch der Spechte hört man nicht nur an Bäumen, sondern immer öfter auch an Gebäuden, deren Dämmung sie „bearbeiten“. Warum das so ist, wird gerade erforscht, wahrscheinlich ist der Klopfton mit dem an Stämmen vergleichbar. Im Übrigen sind Spechte gescheite Blitze: Sie lassen sich ihre zukünftige Behausung von einem Pilz weichmachen. Danach können sie mit dem Schnabel besser und schneller schaffen.

Der Geruchsinn spielt für die meisten Vögel keine Rolle. Lediglich die Albatross-verwandten Hochseevögel nutzen ihre Nase, um tote Fische zu orten und dann über viele Kilometer ganz gezielt dorthin zu fliegen und zu speisen. Dass Vögel in der ihrer Art eigenen Weise singen können, ist zum Großteil genetisch fixiert. Nach dem Schlüpfen bekommen die jungen Nachwuchsstars aber auch Gesangsunterricht von ihren Vätern und auch im Winter scheint es so, als würde das Gefieder die Stimmlagen trainieren.

Viel los an Haus und Hof

Sobald dann Gebäude zwischen Feld und Wald auftauchen, ist auch die Vielfalt in der Luft eine ganz andere. Da geben sich Halsbandschnäpper, Buchfink, Mönchsgrasmücke und die Rauchschwalbe mit ihren langen Schwanzspießen und der roten Kehle buchstäblich die Klinke in die Hand. Und die Amsel singt dazu – mit kreisrundem Buckel und immer von exponierter Stelle aus, um den Gesang möglichst weit ins Land zu tragen. Apropos Schwalben – noch so eine Frage, um Experten zu imponieren: Wie unterscheiden sich Rauch- und Mehlschwaben in ihren Flugeigenschaften? Auch das ist „ganz einfach“: Die Rauchschwalbe ist klar strukturiert und steuert ihr Ziel im Direktflug an. Die Mehlschwalbe dagegen ist ein „verrücktes Huhn“ und fliegt stattdessen immer hin und her.

 

 

Viel gab`s am Sonntagmorgen zu sehen – nur keinen Pirol

Alle Ferngläser halfen nichts bei der Suche nach dem Pirol. Zwar klang er so, als säße er direkt neben den Vogelkundlern, zu sehen war das amselgroße gelb-schwarze Geschöpf aber nicht. Zu gut kann sich dieser Vogel in den Ästen der Laubbäume tarnen.

Am Ende hatte dann sogar unser Experte Johannes Mayer ein ganz persönliches Erfolgserlebnis. Er konnte es selbst kaum glauben, dass plötzlich ein Brachpieper um uns herum seine Kreise zog. Brachpieper gehören zur selben Großfamilie wie die Stelzen und sind in Baden-Württemberg, bis auf ganz wenige Pärchen auf Truppenübungsplätzen, so gut wie ausgestorben. Der Hang zu Sandböden ist es auch, dass sie sich statt hier bei uns vor allem auf Mallorca viel wohler fühlen – wie menschlich!

ohannes Mayer für diesen wunderbaren Morgen. Es gäbe noch viel zu erzählen, vor allem zu seinen Erfahrungen und Einschätzungen, warum sich die Natur, vor allem die Vogelwelt, aus ökologischen Gründen gerade so entwickelt, wie sie es tut (oder tun muss). Aber das wäre ja schon fast eine eigene Veranstaltung wert. Wir freuen uns aber jetzt auf den 11. Oktober, wenn wir gemeinsam mit ihm dann viele Zugvögel beobachten werden.

Zukünftige Events
Feb
26
Sa
09:30 Nistkastenreinigung mit der Juge... @ OGV-Blütenhütte
Nistkastenreinigung mit der Juge... @ OGV-Blütenhütte
Feb 26 um 09:30 – 12:00
Wir machen unsere Nistkästen „Fit für den Frühling“!   Hallo Mädels, hallo Jungs, nicht nur Insekten genießen das bequeme Leben im Hotel, auch Vögel sind froh, wenn sie in den nächsten Wochen und Monaten eine[...]